Das Wichtigste in Kürze
- Die Fachkräfteengpassanalyse 2025 der Bundesagentur für Arbeit zählt 157 Engpassberufe (2024: 163), vor allem in Pflegeberufen, medizinischen Berufen sowie Bau und Handwerk.
- Engpässe betreffen vor allem qualifizierte Kräfte: 96 Prozent der 2025 gemeldeten Pflegestellen richteten sich an Pflegefach- oder Pflegeassistenzkräfte, während gut die Hälfte der arbeitslosen Pflegekräfte eine Helfertätigkeit sucht.
- Ursachen sind unter anderem der demografische Wandel, hohe Teilzeitquoten und Fluktuation.
- Für Bewerbende bedeutet der Mangel mehr Verhandlungsspielraum und Einarbeitungsbereitschaft, aber oft auch höhere Belastung im Alltag.
Der Fachkräftemangel in Pflege und Gesundheitswesen bedeutet für Quer- und Wiedereinsteigende vor allem eines: Arbeitgeber sind deutlich offener für Menschen ohne klassischen Werdegang und eher bereit, in Einarbeitung und Qualifizierung zu investieren. Der Mangel betrifft allerdings in erster Linie qualifizierte Fachkräfte. Wer langfristig profitieren will, sollte einen anerkannten Abschluss anstreben. Gleichzeitig sorgen fehlende Kolleginnen und Kollegen oft für eine hohe Belastung im Alltag.
Was bedeutet Fachkräftemangel genau?
Fachkräftemangel bedeutet, dass offene Stellen für qualifizierte Beschäftigte über längere Zeit nicht oder nur schwer besetzt werden können, weil passende Bewerberinnen und Bewerber fehlen.
Definition
- Engpassberuf
Ein Beruf, in dem nach den Kriterien der Bundesagentur für Arbeit deutlich weniger geeignete Arbeitskräfte zur Verfügung stehen, als Arbeitgeber suchen. Die Einstufung erfolgt in der jährlichen Fachkräfteengpassanalyse anhand mehrerer statistischer Indikatoren; ab einem Durchschnittswert von 2,0 Punkten gilt ein Beruf als Engpassberuf.
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Fachkräftemangel und allgemeinem Arbeitskräftemangel. Wenn von Engpässen in der Pflege die Rede ist, geht es um examinierte Pflegekräfte einschließlich der Pflegeassistenz, nicht um jede Tätigkeit im Gesundheitswesen. Die Bundesagentur für Arbeit beschreibt das deutlich: 96 Prozent der 2025 gemeldeten Pflegestellen richteten sich an Pflegefach- oder Pflegeassistenzkräfte, aber etwas mehr als die Hälfte der arbeitslosen Pflegekräfte sucht eine Helfertätigkeit ohne Berufsabschluss.
Was zeigt die Engpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit?
Die Fachkräfteengpassanalyse 2025 der Bundesagentur für Arbeit zählt 157 Engpassberufe und nennt Pflegeberufe und medizinische Berufe ausdrücklich als Schwerpunkte des Mangels.
Es gibt Engpässe vor allem in Pflegeberufen, im Bereich der medizinischen Berufe und in Bau- und Handwerksberufen.
Insgesamt ist die Zahl der Engpassberufe gesunken: Laut Statistik der Bundesagentur für Arbeit waren es 2025 noch 157, nach 163 im Jahr 2024 und 183 im Jahr 2023. Pflege und Gesundheit bleiben trotzdem am stärksten betroffen. Für die Zahnarztpraxis berichten die Zahnärztlichen Mitteilungen, das Organ der Bundeszahnärztekammer und der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung, dass Zahnmedizinische Fachangestellte in der Analyse 2025 einen Engpasswert von 2,7 Punkten erreichen; Medizinische Fachangestellte liegen mit 2,0 Punkten genau auf der Schwelle.
Wie groß der Bedarf in der Pflege ist, zeigen weitere Zahlen der Bundesagentur: Laut ihrer Statistik zur Arbeitsmarktsituation in Pflegeberufen waren 2025 rund 1,8 Millionen Pflegekräfte sozialversicherungspflichtig beschäftigt, 2 Prozent mehr als im Vorjahr. Im Jahresdurchschnitt 2025 waren rund 31.000 Stellen für Pflegekräfte gemeldet, kaum weniger als im Vorjahr, obwohl die gemeldeten Stellen insgesamt um 9 Prozent zurückgingen.
Die Analyse bewertet Berufe anhand mehrerer Indikatoren, darunter die Zeit, die vergeht, bis eine Stelle besetzt ist, das Verhältnis von Arbeitslosen zu gemeldeten Stellen und die Entwicklung der Beschäftigung. Sie unterscheidet außerdem nach Anforderungsniveau, also danach, ob eine Stelle Helferinnen und Helfer, Fachkräfte oder Spezialistinnen und Spezialisten sucht. Die jeweils aktuellen Ergebnisse, auch nach Bundesländern, veröffentlicht die Statistik der Bundesagentur für Arbeit auf ihrem Statistikportal.
Welche Ursachen hat der Mangel?
Der Fachkräftemangel im Gesundheitswesen hat mehrere Ursachen, die sich gegenseitig verstärken.
- Demografischer Wandel: Die Zahl älterer und pflegebedürftiger Menschen steigt, während gleichzeitig viele Beschäftigte selbst in den Ruhestand gehen.
- Teilzeit: In Pflege und Praxen arbeiten viele Beschäftigte in Teilzeit, oft wegen Familie oder hoher Belastung. Das senkt das verfügbare Arbeitsvolumen, auch wenn die Zahl der Beschäftigten steigt.
- Fluktuation: Ein Teil der Fachkräfte wechselt den Arbeitgeber, reduziert Stunden oder verlässt den Beruf ganz.
- Ausbildung: Neu ausgebildete Fachkräfte gleichen die Abgänge nicht überall aus.
- Arbeitsbedingungen: Schichtdienst, Zeitdruck und körperliche Anforderungen machen manche Stellen weniger attraktiv.
Diese Faktoren erklären auch, warum der Mangel nicht kurzfristig verschwindet. Für Einsteigerinnen und Einsteiger ist das eine eher stabile Ausgangslage (mit den genannten Schattenseiten).
Viele Arbeitgeber reagieren darauf, indem sie stärker auf eigene Nachwuchsgewinnung setzen: Sie bilden selbst aus, unterstützen Umschulungen, bieten flexiblere Arbeitszeitmodelle an oder werben gezielt um Menschen aus anderen Berufen. Wie ernst eine Einrichtung das meint, erkennst du an konkreten Zusagen im Gespräch, nicht an Stellenanzeigen.
Was bedeutet der Mangel für Quer- und Wiedereinsteiger?
Für Quer- und Wiedereinsteigende verbessert der Fachkräftemangel die Ausgangslage spürbar, bringt aber auch Herausforderungen mit sich.
| Chance | Kehrseite |
|---|---|
| Arbeitgeber sind offener für ungewöhnliche Lebensläufe | Ohne Abschluss bleiben Aufgaben und Gehalt begrenzt |
| Mehr Bereitschaft, einzuarbeiten und Weiterbildung zu unterstützen | Einarbeitung kann im Alltag zu kurz kommen, wenn Personal fehlt |
| Mehr Verhandlungsspielraum bei Arbeitszeit, Gehalt und Rahmenbedingungen | Hohe Arbeitsdichte und Vertretungen bei Personalausfall |
| Bessere Chancen auf Förderung einer Weiterbildung in Engpassberufen | Förderung bleibt eine Einzelfallentscheidung ohne Rechtsanspruch |
Verhandlungsspielraum nutzen
In Engpassberufen kannst du mehr verhandeln als in Berufen mit vielen Bewerbenden. Das betrifft nicht nur das Gehalt, sondern auch Arbeitszeiten, Dienstplanwünsche, feste freie Tage, Zuschüsse zur Weiterbildung oder die Übernahme von Kurskosten. Eine neutrale Orientierung zum Gehalt bietet der Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit.
Auf gute Einarbeitung achten
Gerade weil Personal knapp ist, lohnt es sich, im Bewerbungsgespräch nach der Einarbeitung zu fragen. Gibt es eine feste Ansprechperson, einen Einarbeitungsplan, Zeit für Fragen? Eine Einrichtung, die das klar beantworten kann, ist meist auch im Alltag besser organisiert.
Als Wiedereinsteigerin oder Wiedereinsteiger zurückkehren
Wer früher in der Pflege oder in einer Praxis gearbeitet hat und nach einer Familienphase, Krankheit oder einem Berufswechsel zurückkehren möchte, ist in vielen Einrichtungen besonders willkommen. Fachliche Grundlagen sind vorhanden, oft fehlt nur der aktuelle Stand bei Dokumentation, Hygiene oder Abrechnung. Frag gezielt nach einer strukturierten Wiedereinarbeitung und danach, ob der Arbeitgeber eine Auffrischungsfortbildung unterstützt. Bei längeren Pausen kann die Agentur für Arbeit beraten, ob eine Anpassungsweiterbildung gefördert werden kann.
Wo ist der Einstieg realistisch?
Realistisch ist der Einstieg dort, wo es geregelte, überschaubare Qualifizierungswege gibt oder Arbeitgeber ausdrücklich Quereinsteigende einarbeiten.
- Pflegehilfe: Einstieg ohne Ausbildung, oft mit kurzem Basiskurs. Gut, um den Beruf zu testen.
- Pflegeausbildung oder Umschulung: Der Weg zur gesuchten Fachkraft, mit drei Jahren Dauer aber ein großer Schritt.
- Pflegefachassistenz: Ab 1. Januar 2027 gibt es nach dem Pflegefachassistenzgesetz eine bundeseinheitliche Ausbildung, laut Bundesfamilienministerium in der Regel 18 Monate in Vollzeit; sie löst 27 unterschiedliche Landesregelungen ab.
- Arzt- und Zahnarztpraxen: Einstieg am Empfang oder als Assistenz ist verbreitet; als MFA oder ZFA mit Abschluss sind die Perspektiven deutlich besser. Für Erwachsene gibt es berufsbegleitende Umschulungen, etwa bei Care-er, einem AZAV-zugelassenen Bildungsträger mit Live-Online-Kursen zur Betreuungskraft, zur Schulbegleitung und zur ZFA-Umschulung: Die ZFA-Umschulung läuft mit drei Online-Tagen und zwei Praxistagen pro Woche über rund drei Jahre.
- Betreuungskraft nach § 43b SGB XI: Kurze, bundesweit geregelte Qualifizierung für die Begleitung Pflegebedürftiger ohne Pflegetätigkeit.
- Wiedereinstieg: Wer früher in einem Gesundheitsberuf gearbeitet hat, kann oft mit einer Auffrischung oder Anpassungsfortbildung zurückkehren.
Die Einstiege unterscheiden sich vor allem darin, wie lange die Qualifizierung dauert und ob am Ende ein Berufsabschluss steht.
| Einstieg | Voraussetzung | Qualifizierung | Abschluss |
|---|---|---|---|
| Pflegehilfe | Keine Ausbildung nötig | Oft kurzer Basiskurs | Kein Berufsabschluss |
| Pflegeausbildung oder Umschulung | Ausbildungsplatz bei Pflegeschule und Träger | Drei Jahre | Anerkannter Abschluss als Pflegefachkraft |
| Pflegefachassistenz (ab 2027) | In der Regel Hauptschulabschluss | In der Regel 18 Monate in Vollzeit | Bundeseinheitlicher Abschluss als Pflegefachassistenz |
| Empfang oder Assistenz in Arzt- und Zahnarztpraxen | Keine Ausbildung nötig | Einarbeitung in der Praxis | Ohne Abschluss, später MFA oder ZFA möglich |
| Betreuungskraft nach § 43b SGB XI | Keine Ausbildung nötig | Kurze, bundesweit geregelte Qualifizierung | Qualifizierung zur Betreuungskraft, ohne Pflegetätigkeit |
| Wiedereinstieg | Früherer Gesundheitsberuf | Auffrischung oder Anpassungsfortbildung | Vorhandener Abschluss bleibt Grundlage |
- Ziel klären. Willst du schnell arbeiten oder einen anerkannten Abschluss erwerben?
- Regionale Lage prüfen. Schau dir die Engpassanalyse für dein Bundesland an und frag bei der Berufsberatung nach.
- Praxis testen. Ein Praktikum oder Probetag zeigt, ob Arbeitsalltag und Belastung passen.
- Förderung klären. Sprich vor einer Weiterbildung mit Agentur für Arbeit oder Jobcenter über einen Bildungsgutschein.
- Gezielt bewerben. Frag nach Einarbeitung, Weiterbildungsunterstützung und Arbeitszeitmodellen.
Der Mangel öffnet Türen, aber er ersetzt keine Qualifikation. Er macht es nur leichter, sie unterwegs zu erwerben.
Wo du passende Angebote findest
Ausbildungsplätze in der Pflege vergeben Pflegeschulen gemeinsam mit Kliniken, Heimen und ambulanten Diensten. Kürzere Qualifizierungen wie die zur Betreuungskraft findest du in der Weiterbildungssuche der Bundesagentur für Arbeit, angeboten etwa von regionalen Trägern und Volkshochschulen. Ein Beispiel ist die Qualifizierung zur Betreuungskraft bei Care-er, die 14 Wochen in Vollzeit.
Offene Stellen findest du in der Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit, bei regionalen Arbeitgebern und Trägern oder auf spezialisierten Plattformen, zum Beispiel bei Specialist Match, einer Jobplattform für Pflege, Betreuung, Schulbegleitung, Zahnarztpraxis und Sanitätshaus, in den Bereichen Pflege & Betreuung und ZFA & Praxishilfe.
Fazit
Der Fachkräftemangel in Pflege und Gesundheitswesen ist für Quer- und Wiedereinsteigende eine echte Chance: Arbeitgeber sind offener, Förderung ist eher möglich, und du hast mehr Verhandlungsspielraum. Am meisten profitierst du, wenn du den Einstieg mit einer anerkannten Qualifikation verbindest und bei der Arbeitgeberwahl auf gute Einarbeitung und realistische Arbeitsbedingungen achtest.
Häufige Fragen
Was ist die Engpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit?
Die Fachkräfteengpassanalyse ist eine jährliche Auswertung der Statistik der Bundesagentur für Arbeit. Sie bewertet Berufe anhand mehrerer Indikatoren, etwa der Vakanzzeit und des Verhältnisses von Arbeitslosen zu gemeldeten Stellen. In der Ausgabe 2025 wurden 157 Engpassberufe ermittelt, nach 163 im Jahr 2024 und 183 im Jahr 2023.
Gehören ZFA und MFA zu den Engpassberufen?
Nach der Fachkräfteengpassanalyse 2025, über die die Zahnärztlichen Mitteilungen berichten, erreichen Zahnmedizinische Fachangestellte einen Engpasswert von 2,7 Punkten. Medizinische Fachangestellte liegen mit 2,0 Punkten genau auf der Schwelle, ab der ein Beruf als Engpassberuf gilt.
Habe ich in der Pflege auch ohne Ausbildung gute Chancen?
Einstiegsmöglichkeiten als Pflegehilfskraft gibt es vielerorts. Der eigentliche Mangel besteht aber bei qualifizierten Fachkräften, deshalb verbessert ein anerkannter Abschluss deine Perspektiven deutlich.
Bin ich mit über 40 noch gefragt?
Ja. In Engpassberufen sind viele Arbeitgeber offen für ältere Quer- und Wiedereinsteigende, weil sie Lebenserfahrung und Verlässlichkeit schätzen. Eine Altersgrenze für Ausbildung oder Umschulung gibt es nicht.
Wo finde ich Stellen für Quereinsteigende in Pflege und Praxis?
In der Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit, direkt bei Pflegeeinrichtungen und Praxen sowie auf spezialisierten Plattformen, zum Beispiel Specialist Match, einer Jobplattform für Pflege, Betreuung, Schulbegleitung, Zahnarztpraxis und Sanitätshaus.
Quellen
- Fachkräfteengpassanalyse 2025
- Fachkräfte bleiben knapp: Zuwanderung gewinnt weiter an Bedeutung (Presseinfo Nr. 32 vom 2. September 2026)
- Blickpunkt Arbeitsmarkt: Arbeitsmarktsituation in Pflegeberufen
- Fachkräfteengpassanalyse: Pflege- und Gesundheitsberufe weiterhin am stärksten betroffen
- Bundestag verabschiedet Gesetz zur Einführung eines neuen Berufsbildes Pflegefachassistenz
- Entgeltatlas
- BERUFENET
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