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Wie groß wird der Fachkräftemangel? Prognosen bis 2035 und 2049 im Vergleich

Laut Statistischem Bundesamt könnten bis 2049 zwischen 280.000 und 690.000 Pflegekräfte fehlen, je nach Variante. BIBB und IAB sehen bis 2040 Engpässe in Pflege und Praxisberufen. Dieser Ratgeber vergleicht die Projektionen und erklärt, was sie aussagen können und was nicht.

Das Wichtigste in Kürze

  • Laut Pflegekräftevorausberechnung des Statistischen Bundesamts (Januar 2024) steigt der Bedarf an Pflegekräften von 1,62 Millionen (2019) auf 2,15 Millionen im Jahr 2049.
  • Je nach Variante fehlen 2034 zwischen 90.000 und 350.000 und 2049 zwischen 280.000 und 690.000 Pflegekräfte.
  • Die Zahl der Pflegebedürftigen könnte laut Destatis bis 2055 auf 6,8 bis 7,6 Millionen steigen; Ende 2023 waren es bereits knapp 5,7 Millionen.
  • BIBB und IAB sehen in ihrer Projektion bis 2040 besonders deutliche Engpässe in der Pflege und bei (zahn-)medizinischen Fachangestellten.
  • Vorausberechnungen sind Wenn-Dann-Rechnungen, keine Vorhersagen: Sie zeigen, was unter bestimmten Annahmen passieren würde.

Wie groß der Fachkräftemangel in der Pflege wird, hängt laut Statistischem Bundesamt (Destatis) stark von den Annahmen ab: Bis 2034 könnten zwischen 90.000 und 350.000 Pflegekräfte fehlen, bis 2049 zwischen 280.000 und 690.000. Gleichzeitig steigt die Zahl der Pflegebedürftigen bis Mitte der 2050er Jahre weiter. Für Praxisberufe wie MFA und ZFA sehen das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) und das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) bis 2040 ebenfalls Engpässe. Keine dieser Zahlen ist eine Vorhersage; sie zeigen, was passiert, wenn bestimmte Annahmen eintreten.

Was ist der Unterschied zwischen Prognose und Vorausberechnung?

Eine Vorausberechnung zeigt, wie sich Zahlen unter festgelegten Annahmen entwickeln würden, während eine Prognose behauptet, was wahrscheinlich tatsächlich eintritt.

Definition

Vorausberechnung (Projektion)

Eine Modellrechnung, die heutige Daten mit Annahmen über Bevölkerung, Erwerbsbeteiligung oder Verhalten verbindet und daraus künftige Werte ableitet. Weil mehrere Annahmen möglich sind, gibt es meist mehrere Varianten. Das Ergebnis ist eine Spanne möglicher Entwicklungen, keine Vorhersage.

Das Statistische Bundesamt formuliert diese Grenze selbst sehr deutlich:

Vorausberechnungen sind keine Prognosen. Sie liefern „Wenn-Dann-Aussagen“ und zeigen, wie sich die Eckwerte und Strukturen unter bestimmten Annahmen verändern würden.

Im Alltag werden die Begriffe trotzdem oft gleich verwendet. Wenn in Medien von einer „Prognose bis 2049“ die Rede ist, steckt meist eine solche Vorausberechnung dahinter.

Wie viele Pflegekräfte fehlen bis 2034 und 2049?

Laut Pflegekräftevorausberechnung des Statistischen Bundesamts fehlen 2034 zwischen 90.000 und 350.000 und 2049 zwischen 280.000 und 690.000 Pflegekräfte.

Ausgangspunkt ist der Bedarf: Er steigt laut Destatis von 1,62 Millionen erwerbstätigen Pflegekräften im Jahr 2019 um ein Drittel auf 2,15 Millionen im Jahr 2049. Wie viele Pflegekräfte diesem Bedarf gegenüberstehen, rechnet das Amt in zwei Varianten.

Vergleich: Varianten der Pflegekräftevorausberechnung 2024
VarianteAnnahmePflegekräfte 2034Lücke 2034Pflegekräfte 2049Lücke 2049
Trend-VarianteDemografie plus positive Arbeitsmarkttrends der 2010er Jahre1,74 Mio. (+7 %)90.0001,87 Mio. (+15 %)280.000
Status quo-Variantenur demografische Entwicklung1,48 Mio. (minus 9 %)350.0001,46 Mio. (minus 10 %)690.000
Bedarf zum VergleichAlterung der Gesellschaftkeine Angabeentfällt2,15 Mio.entfällt

Die Veränderungen beziehen sich jeweils auf 2019. Selbst in der günstigsten Variante reicht das Angebot also nicht. In der ungünstigen Variante entspricht die Lücke 2049 laut Destatis gut zwei Fünfteln der Menschen, die 2019 in Pflegeberufen arbeiteten. Haupttreiber ist der Renteneintritt der Babyboomer-Generation in den nächsten Jahren.

Erfasst werden vier Berufsgruppen: Gesundheits- und Krankenpflege, Gesundheits- und Krankenpflegehilfe, Altenpflege und Altenpflegehilfe, jeweils unabhängig davon, ob die Beschäftigten eine passende Ausbildung haben. Die Zahlen gelten also für Pflegefach- und Pflegehilfskräfte zusammen.

Wie viele Pflegebedürftige werden erwartet?

Laut Pflegevorausberechnung des Statistischen Bundesamts steigt die Zahl der Pflegebedürftigen bis 2055 auf 6,8 bis 7,6 Millionen, je nach Annahme.

Die erste Annahme geht von konstanten Pflegequoten aus, also davon, dass der Anteil Pflegebedürftiger je Altersgruppe gleich bleibt: Dann wären es Ende 2035 rund 5,6 Millionen und Ende 2055 rund 6,8 Millionen. Die zweite Annahme berücksichtigt, dass die Pflegequoten wegen des 2017 erweiterten Pflegebedürftigkeitsbegriffs noch bis 2027 steigen: Dann wären es 2035 rund 6,3 Millionen und 2055 rund 7,6 Millionen.

Ein Blick auf die Wirklichkeit zeigt, warum Varianten wichtig sind. Ende 2023 waren laut Pflegestatistik bereits knapp 5,7 Millionen Menschen pflegebedürftig, mehr als die erste Annahme für 2035 vorsieht. Das Amt führt den starken Anstieg auch auf den weiter gefassten Pflegebedürftigkeitsbegriff zurück. Die Entwicklung liegt damit eher auf dem Pfad der zweiten Annahme.

Was sagen BIBB und IAB für Gesundheitsberufe voraus?

Die gemeinsame Projektion von BIBB und IAB sieht bis 2040 besonders deutliche Engpässe in den Pflegeberufen und bei (zahn-)medizinischen Fachangestellten.

Die sogenannten Qualifikations- und Berufsfeldprojektionen (QuBe) erscheinen in Wellen; die 8. Welle reicht bis 2040. Sie schreibt bestehende Trends im Bildungssystem und in der Wirtschaft fort und weist selbst darauf hin, dass aktuelle Strukturbrüche in historischen Daten naturgemäß noch nicht enthalten sind. Am 17. August 2026 hat das BIBB auf dieser Grundlage eine erste Basisprojektion für 54 Gesundheitsberufe veröffentlicht. Danach wächst die Beschäftigung zwar weiter, der Abstand zwischen Arbeitskräfteangebot und realisiertem Bedarf wird aber kleiner. Gesundheitsleistungen könnten 2040 demnach nicht mehr in derselben Häufigkeit oder Weise erbracht werden wie 2023. Das BIBB betont außerdem, dass sich die Lage je nach Beruf erheblich unterscheidet.

Die Fachkräfteengpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit ist dagegen keine Projektion, sondern ein Rückblick: Sie misst, wo Stellen im vergangenen Jahr schwer zu besetzen waren. Für 2025 zählt sie 157 Engpassberufe, darunter vor allem Pflege- und Gesundheitsberufe.

Vergleich: Amtliche Projektionen und Analysen zum Fachkräftemangel
QuelleArtZeitraumKernaussageGrenze
Destatis, PflegekräftevorausberechnungVorausberechnung in zwei Varianten2019 bis 2049280.000 bis 690.000 Pflegekräfte fehlen 2049nur Pflege, Annahmen zu Erwerbsbeteiligung
Destatis, PflegevorausberechnungVorausberechnung der Pflegebedürftigen2021 bis 20706,8 bis 7,6 Mio. Pflegebedürftige 2055sagt nichts über Personal
BIBB und IAB, QuBeProjektion von Angebot und Bedarfbis 2040Engpässe in Pflege und PraxisberufenTrendfortschreibung, keine Strukturbrüche
Bundesagentur für Arbeit, EngpassanalyseRückblick auf das Vorjahr2025157 Engpassberufekeine Aussage über die Zukunft

Was können Projektionen nicht sagen?

Projektionen können nicht sagen, wie es in deiner Region, bei deinem Arbeitgeber oder in deinem konkreten Beruf aussehen wird.

  • Regionale Unterschiede: Bundesweite Zahlen verdecken, dass Ballungsräume und ländliche Regionen sehr unterschiedlich betroffen sind.
  • Politische Entscheidungen: Neue Ausbildungswege wie die bundeseinheitliche Pflegefachassistenz ab 2027, Zuwanderung oder Personalvorgaben verändern Angebot und Bedarf.
  • Arbeitszeit: Ob Beschäftigte ihre Stunden erhöhen oder reduzieren, wirkt stark auf die Lücke, ist aber schwer vorherzusagen.
  • Gehalt und Bedingungen: Wie attraktiv ein Beruf bleibt, hängt von Tarifen und Arbeitsbedingungen ab, die keine Projektion festlegt.

Was bedeuten die Zahlen für deine Berufswahl?

Die Zahlen sprechen dafür, dass qualifizierte Pflege- und Gesundheitsberufe langfristig gebraucht werden; welcher Weg für dich passt, hängt aber von deiner Lebenslage ab.

Vergleich: Welcher Pflege- und Betreuungsweg passt zu welcher Lebenslage?
LebenslagePflegefachkraftPflegefachassistenzBetreuungskraft
Unter 25, ohne Berufsabschlusspasst gut, langfristig am stärksten gefragtpasst, als kürzerer Einstieg mit Aufstiegmöglich, aber ohne Berufsabschluss
30 bis 45, mit Familiemöglich in Teilzeit, dauert dann längerpasst oft gut, 18 Monate in Vollzeitpasst gut, kurze Qualifizierung
Ab 50, mit Berufserfahrungmöglich, Belastung ehrlich prüfenmöglich, wenn du pflegen möchtestpasst gut, Lebenserfahrung zählt
Arbeitslos mit ArbeitslosengeldUmschulung per Bildungsgutschein prüfenFörderung im Einzelfall prüfenpasst gut, kurze geförderte Kurse
  1. Spanne statt Einzelzahl lesen. Schau bei jeder Projektion, welche Varianten es gibt und wie weit sie auseinanderliegen.
  2. Zeitraum prüfen. Für deine Berufswahl zählen die nächsten zehn Jahre mehr als das Jahr 2049.
  3. Regional nachsehen. Die Bundesagentur veröffentlicht Engpassergebnisse auch nach Bundesländern.
  4. Abschluss einplanen. Die Lücke betrifft vor allem qualifizierte Kräfte; ein anerkannter Abschluss macht dich am unabhängigsten von Schwankungen.
  5. Beraten lassen. Die Berufsberatung der Agentur für Arbeit kann die Zahlen für deine Region einordnen.

Wo du passende Angebote findest

Pflegeausbildungen vergeben Pflegeschulen gemeinsam mit Kliniken, Heimen und ambulanten Diensten; geförderte Umschulungen und Qualifizierungen findest du in der Weiterbildungssuche der Bundesagentur für Arbeit. Wer zuerst kürzer in die Arbeit mit Pflegebedürftigen einsteigen möchte, findet dort auch Kurse zur Betreuungskraft, zum Beispiel bei Care-er, einem AZAV-zugelassenen Bildungsträger mit Live-Online-Kursen zur Betreuungskraft, zur Schulbegleitung und zur ZFA-Umschulung; die Qualifizierung zur Betreuungskraft dauert dort 14 Wochen in Vollzeit.

Offene Stellen findest du in der Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit, direkt bei Einrichtungen oder auf spezialisierten Plattformen, etwa bei Specialist Match, einer Jobplattform für Pflege, Betreuung, Schulbegleitung, Zahnarztpraxis und Sanitätshaus, im Bereich Pflege und Betreuung. Eine erste Einschätzung, ob eine Qualifizierung gefördert werden kann, gibt etwa der Förder-Check.

Fazit

Die amtlichen Vorausberechnungen sind sich in der Richtung einig: In der Pflege und in Praxisberufen wird der Bedarf schneller wachsen als das Angebot. Wie groß die Lücke wird, hängt von Annahmen ab, die Politik, Arbeitgeber und Beschäftigte selbst beeinflussen. Für deine Entscheidung ist deshalb nicht die eine Zahl für 2049 entscheidend, sondern dass qualifizierte Kräfte in allen Varianten gebraucht werden.

Häufige Fragen

Wie viele Pflegekräfte fehlen bis 2049?

Laut Pflegekräftevorausberechnung des Statistischen Bundesamts vom Januar 2024 fehlen im Jahr 2049 zwischen 280.000 und 690.000 Pflegekräfte. Die niedrigere Zahl gilt, wenn sich die positiven Trends am Pflegearbeitsmarkt der 2010er Jahre fortsetzen, die höhere, wenn nur die demografische Entwicklung wirkt.

Wie groß ist die Pflegelücke schon 2034?

Für 2034 rechnet das Statistische Bundesamt je nach Variante mit 90.000 bis 350.000 fehlenden Pflegekräften. Haupttreiber ist, dass die Babyboomer-Generation in den kommenden Jahren in Rente geht.

Sind die Prognosen zum Fachkräftemangel verlässlich?

Sie sind verlässlich als Wenn-Dann-Rechnung, nicht als Vorhersage. Das Statistische Bundesamt betont selbst, dass die langfristige Rechnung bis 2049 Modellcharakter hat; Zuwanderung, Arbeitszeit, Ausbildungszahlen oder neue Gesetze können das Ergebnis deutlich verändern.

Betrifft der Mangel auch MFA und ZFA?

Ja. In der BIBB-IAB-Projektion für Gesundheitsberufe bis 2040 zeigen sich Engpässe ausdrücklich auch bei (zahn-)medizinischen Fachangestellten. In der aktuellen Fachkräfteengpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit gelten ZFA bereits als Engpassberuf, MFA liegen genau auf der Schwelle.

Was bedeuten die Prognosen für meine Berufswahl?

Sie sprechen dafür, dass qualifizierte Kräfte in Pflege und Gesundheit langfristig gebraucht werden. Für deine Entscheidung sind aber regionale Lage, Arbeitsbedingungen und der Weg zum Abschluss wichtiger als eine bundesweite Zahl für 2049.

Quellen

  1. Bis 2049 werden voraussichtlich mindestens 280 000 zusätzliche Pflegekräfte benötigt (Pressemitteilung Nr. 033 vom 24. Januar 2024)Statistisches Bundesamt, abgerufen am 5. Oktober 2026
  2. Pflegevorausberechnung: Zahl der Pflegebedürftigen steigt bis 2070 deutlich anStatistisches Bundesamt, abgerufen am 5. Oktober 2026
  3. 5,7 Millionen Pflegebedürftige zum Jahresende 2023Statistisches Bundesamt, abgerufen am 5. Oktober 2026
  4. Engpassrisiken in Gesundheitsberufen (Basisprojektion bis 2040, 17. August 2026)Bundesinstitut für Berufsbildung, abgerufen am 5. Oktober 2026
  5. QuBe-Deutschland: 8. WelleBundesinstitut für Berufsbildung, abgerufen am 5. Oktober 2026
  6. Fachkräfteengpassanalyse 2025Statistik der Bundesagentur für Arbeit, abgerufen am 5. Oktober 2026

Über die Redaktion dieses Artikels

Geschrieben von

Jonas Berger

Redakteur · Bildungsgutschein, Förderrecht, Arbeitslosigkeit

Jonas Berger betreut bei Karriere in Pflege & Gesundheit die Themen Weiterbildungsförderung, Bildungsgutschein und beruflicher Neustart nach Arbeitslosigkeit.

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