Quereinstieg · Gesundheitswesen

MFA Quereinstieg: In der Arztpraxis arbeiten ohne Ausbildung

In einer Arztpraxis kannst du auch ohne Ausbildung arbeiten, vor allem am Empfang, in der Terminplanung und in der Verwaltung. Medizinische Tätigkeiten wie Blutentnahmen oder Röntgen setzen dagegen eine passende Qualifikation voraus. Dieser Ratgeber zeigt, wo die Grenzen liegen und wie du den Abschluss als Medizinische Fachangestellte nachholen kannst.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ohne Ausbildung arbeiten Quereinsteigende in Arztpraxen vor allem am Empfang, in der Terminplanung und in der Verwaltung.
  • Blutentnahmen und Injektionen dürfen Ärztinnen und Ärzte nur an dafür qualifiziertes Personal delegieren; für Röntgen sind Kenntnisse im Strahlenschutz vorgeschrieben.
  • Die MFA-Ausbildung dauert drei Jahre; laut BIBB war MFA 2025 mit 16.680 neuen Verträgen der häufigste Ausbildungsberuf bei Frauen.
  • Zum anerkannten Abschluss führen drei Wege: Ausbildung, Umschulung oder Externenprüfung nach § 45 Abs. 2 BBiG; zuständig ist die Ärztekammer.
  • Eine Umschulung zur MFA kann mit einem Bildungsgutschein gefördert werden, den seit 2025 die Agentur für Arbeit ausstellt, auch für Kundinnen und Kunden des Jobcenters.

Ein Quereinstieg in die Arztpraxis ist möglich, vor allem am Empfang, in der Terminplanung und in der Verwaltung. Medizinische Fachangestellte (MFA) wirst du aber erst mit einem anerkannten Berufsabschluss, und viele medizinische Tätigkeiten setzen genau diese oder eine vergleichbare Qualifikation voraus.

Zum Abschluss führen drei Wege: die dreijährige Ausbildung, eine geförderte Umschulung von meist zwei Jahren oder die Externenprüfung nach rund viereinhalb Jahren Berufserfahrung. Eine Umschulung fördert in der Regel die Agentur für Arbeit mit einem Bildungsgutschein.

Was bedeutet Quereinstieg als MFA?

Ein Quereinstieg als MFA bedeutet, ohne abgeschlossene Ausbildung zur Medizinischen Fachangestellten in einer Arztpraxis zu arbeiten, mit dem Ziel, den Abschluss später nachzuholen oder dauerhaft in Organisation und Verwaltung tätig zu sein.

Definition

Medizinische Fachangestellte (MFA)

Staatlich anerkannter Ausbildungsberuf nach dem Berufsbildungsgesetz. Die duale Ausbildung dauert nach der Ausbildungsverordnung drei Jahre und endet mit einer Prüfung vor der zuständigen Ärztekammer. Die frühere Bezeichnung lautete „Arzthelferin" bzw. „Arzthelfer".

Ohne Abschluss arbeitest du formal als Empfangskraft, Praxisassistenz oder Verwaltungsmitarbeiterin bzw. Verwaltungsmitarbeiter. Arbeitsorte sind neben Haus- und Facharztpraxen auch Medizinische Versorgungszentren (MVZ), Kliniken und betriebsärztliche Dienste. Gerade große Einrichtungen trennen Empfang und Verwaltung oft klar von der medizinischen Assistenz. Das erleichtert den Einstieg.

Wie gefragt der Beruf ist, zeigen die Ausbildungszahlen: Laut Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB, Stichtag 30. September 2025) führte die Medizinische Fachangestellte mit 16.680 neuen Ausbildungsverträgen die Rangliste bei Frauen an; bei Männern stieg die Zahl auf 1.146 Verträge.

Welche Aufgaben sind ohne Ausbildung erlaubt?

Ohne Ausbildung übernimmst du in der Arztpraxis vor allem organisatorische und kaufmännische Aufgaben; medizinische Tätigkeiten sind nur eingeschränkt und unter klaren Bedingungen möglich.

Übersicht: Tätigkeiten in der Arztpraxis ohne MFA-Ausbildung
TätigkeitOhne Ausbildung möglich?Hinweis
Empfang, Telefon, PatientenaufnahmeJaHäufigster Einstieg für Quereinsteigende
Terminplanung und PraxisorganisationJaErfahrung aus Büro, Hotel oder Kundenservice hilft
Verwaltung, Schriftverkehr, AbrechnungJa, nach EinarbeitungAbrechnungskenntnisse lassen sich über Fachkurse vertiefen
Vorbereiten von BehandlungsräumenJa, nach EinweisungHygieneregeln der Praxis sind verbindlich
Aufbereitung von MedizinproduktenEingeschränktErfordert nachgewiesene Sachkenntnis, z. B. über einen Sachkundekurs
Blutentnahme, InjektionenNur mit passender QualifikationDelegation nur an dafür qualifiziertes Personal
Röntgenaufnahmen technisch durchführenNein, nur mit KursErfordert nachgewiesene Kenntnisse im Strahlenschutz

Röntgen und Hygiene: zusätzliche Nachweise

Für das technische Durchführen von Röntgenaufnahmen schreibt das Strahlenschutzrecht nachgewiesene Kenntnisse im Strahlenschutz vor. Wer nicht über eine entsprechende Ausbildung verfügt, erwirbt sie über einen gesonderten Kurs; Umfang und Anerkennung regeln die zuständigen Stellen.

Bei der Aufbereitung von Medizinprodukten (also dem Reinigen, Desinfizieren und Sterilisieren von Instrumenten) verlangt das Medizinprodukterecht eine passende Sachkenntnis. Viele Praxen schicken neue Mitarbeitende deshalb früh in einen Sachkundelehrgang.

Welche Wege führen zum anerkannten MFA-Abschluss?

Zum MFA-Abschluss führen die Ausbildung, die Umschulung und die Externenprüfung, die alle mit derselben Prüfung vor der Ärztekammer enden. Wer dauerhaft medizinisch in der Arztpraxis arbeiten möchte, sollte den Abschluss anstreben, weil er Tätigkeiten, Verantwortung und Verhandlungsposition beim Gehalt deutlich erweitert.

Vergleich: Ausbildung, Umschulung und Externenprüfung zur MFA
WegDauerVoraussetzungFörderungAbschluss
Ausbildung3 Jahre, verkürzbarAusbildungsplatz in einer PraxisAusbildungsvergütung; ggf. BerufsausbildungsbeihilfePrüfung vor der Ärztekammer
Umschulungin der Regel 2 JahreFörderzusage, UmschulungsplatzBildungsgutschein möglichPrüfung vor der Ärztekammer
ExternenprüfungVorbereitung individuellca. 4,5 Jahre BerufspraxisVorbereitungskurse teils förderfähigPrüfung vor der Ärztekammer

1. Ausbildung: auch als Erwachsener

Für die Ausbildung gibt es kein Höchstalter. Mit Abitur, einschlägiger Vorbildung oder guten Leistungen kann die Ausbildungszeit auf Antrag verkürzt werden (§ 8 BBiG). Das Berufsbildungsgesetz sieht zudem ausdrücklich eine Teilzeitausbildung vor (§ 7a BBiG), was für Eltern oder Menschen mit Pflegeverantwortung interessant ist. Der Nachteil bleibt die Ausbildungsvergütung, die deutlich unter einem regulären Gehalt liegt.

2. Umschulung mit Bildungsgutschein

Eine Umschulung ist eine verkürzte Ausbildung für Erwachsene und dauert bei der MFA in der Regel zwei Jahre. Sie endet mit derselben Abschlussprüfung wie die reguläre Ausbildung.

Für Menschen ohne verwertbaren Berufsabschluss ist die Förderung besonders gut abgesichert. Die Bundesagentur für Arbeit schreibt dazu:

„Auf die Förderung des nachträglichen Erwerbs eines Berufsabschlusses sowie eines Hauptschul- oder vergleichbaren Schulabschlusses haben Sie unter bestimmten Voraussetzungen einen Rechtsanspruch.“

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Bildungsgutschein

Umschulungen laufen entweder betrieblich (du arbeitest in einer Praxis und besuchst die Berufsschule) oder überbetrieblich bei einem Bildungsträger mit Praxisphasen. Zugelassene Maßnahmen findest du in der Weiterbildungssuche der Bundesagentur für Arbeit.

3. Externenprüfung nach Berufserfahrung

Wer bereits lange in einer Arztpraxis arbeitet, kann die Abschlussprüfung auch ohne Ausbildung ablegen. Nach § 45 Abs. 2 BBiG wird zugelassen, wer mindestens das Eineinhalbfache der regulären Ausbildungszeit im Beruf tätig war, bei der MFA also rund viereinhalb Jahre. Über die Zulassung entscheidet die zuständige Ärztekammer, je nach Bundesland die Landesärztekammer oder eine Bezirksärztekammer.

Die Kammer kann die berufliche Handlungsfähigkeit auch auf anderem Weg als glaubhaft gemacht anerkennen. Geprüft wird allerdings der volle Ausbildungsstoff, einschließlich medizinischer Inhalte und Abrechnung. Wer überwiegend am Empfang gearbeitet hat, sollte die Prüfungsvorbereitung entsprechend gründlich planen.

So gelingt der Einstieg: Schritt für Schritt

  1. Ausprobieren, ob der Beruf passt. Ein Probetag oder Praktikum zeigt dir, ob du mit dem Tempo am Empfang, mit kranken oder ängstlichen Menschen und mit medizinischen Situationen zurechtkommst.
  2. Einstiegsweg festlegen. Willst du sofort arbeiten (Empfang, Verwaltung), einen Abschluss mit Förderung machen (Umschulung) oder hast du bereits Jahre an Praxiserfahrung (Externenprüfung)?
  3. Förderung vor Beginn klären. Vereinbare einen Beratungstermin bei der Agentur für Arbeit oder beim Jobcenter. Ein Bildungsgutschein der Agentur muss vorliegen, bevor die Maßnahme beginnt.
  4. Praxis und Träger finden. Für Ausbildung und betriebliche Umschulung brauchst du eine Praxis, für die überbetriebliche Umschulung einen AZAV-zugelassenen Träger.
  5. Grenzen der eigenen Tätigkeit klären. Sprich mit der Praxis offen darüber, welche Aufgaben du übernimmst und welche Kurse, etwa zu Hygiene oder Strahlenschutz, vorher nötig sind.

Welche Perspektiven gibt es nach dem Abschluss?

Nach dem MFA-Abschluss stehen dir Aufstiegsfortbildungen offen, mit denen du mehr Verantwortung übernehmen und dich auf bestimmte Bereiche spezialisieren kannst.

Ein Beispiel ist die Fortbildung zur Fachwirtin bzw. zum Fachwirt für ambulante medizinische Versorgung, die auf Leitungs- und Organisationsaufgaben vorbereitet. Daneben gibt es Fortbildungen, die MFA für delegierbare Aufgaben in der Patientenversorgung qualifizieren, etwa für Hausbesuche in der hausärztlichen Versorgung. Welche Abschlüsse deine Ärztekammer anbietet und welche Voraussetzungen gelten, steht in deren Fortbildungsordnungen. Viele dieser Fortbildungen können über das Aufstiegs-BAföG gefördert werden.

Wie gut sind die Chancen, und was verdienst du?

Die Chancen sind gut: Laut Fachkräfteengpassanalyse 2025 der Bundesagentur für Arbeit gab es Engpässe in 157 Berufen, vor allem in Pflegeberufen und im Bereich der medizinischen Berufe. Beim Gehalt gilt ähnlich wie in der Zahnarztpraxis: Ein Tarifvertrag für MFA existiert, die meisten Praxen sind aber nicht tarifgebunden und verhandeln frei. Ohne Abschluss liegt das Gehalt in der Regel spürbar darunter. Eine neutrale Orientierung bietet der Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit.

Der Empfang ist ein guter Einstieg in die Arztpraxis. Der Abschluss ist der Schlüssel, um dort auch medizinisch zu arbeiten.

Wo du passende Angebote findest

Stellen in Arztpraxen findest du in der Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit, auf den Karriereseiten von MVZ und Kliniken oder auf Jobplattformen für Gesundheitsberufe. Fortbildungen und Prüfungsvorbereitung bieten Ärztekammern und zugelassene Bildungsträger an; geförderte Kurse und Umschulungen listet die Weiterbildungssuche der Bundesagentur.

Wenn dich auch die Zahnarztpraxis reizt: Dort gibt es verwandte Wege, etwa die berufsbegleitende ZFA-Umschulung bei Care-er, einem AZAV-zugelassenen Bildungsträger mit Live-Online-Kursen zur Betreuungskraft, zur Schulbegleitung und zur ZFA-Umschulung. Stellen in Zahnarztpraxen findest du zum Beispiel bei Specialist Match, einer Jobplattform für Pflege, Betreuung, Schulbegleitung, Zahnarztpraxis und Sanitätshaus. Eine MFA-Ausbildung bieten beide nicht an.

Wenn dich eher die Betreuung von Menschen interessiert, sind kürzere Qualifizierungen eine Alternative, zum Beispiel die Weiterbildung zur Betreuungskraft bei Care-er.

Fazit

Der Quereinstieg in die Arztpraxis gelingt am leichtesten über Empfang, Terminplanung und Verwaltung. Medizinische Aufgaben wie Blutentnahmen oder Röntgen bleiben qualifiziertem Personal vorbehalten. Wer dauerhaft und mit mehr Verantwortung in der Praxis arbeiten will, sollte den MFA-Abschluss anstreben: über eine Ausbildung, eine geförderte Umschulung oder die Externenprüfung.

Häufige Fragen

Kann ich ohne Ausbildung in einer Arztpraxis arbeiten?

Ja. Viele Arztpraxen stellen Quereinsteigende für Empfang, Telefon, Terminvergabe und Verwaltung ein. Medizinische Tätigkeiten wie Blutentnahmen, Injektionen oder Röntgen setzen dagegen eine passende Qualifikation voraus.

Wie lange dauert eine Umschulung zur MFA?

Eine Umschulung zur Medizinischen Fachangestellten dauert in der Regel zwei Jahre und endet mit derselben Prüfung vor der Ärztekammer wie die reguläre dreijährige Ausbildung. Die Verkürzung um mindestens ein Drittel ist Voraussetzung für die Förderung einer Vollzeit-Umschulung durch die Agentur für Arbeit.

Was ist die Externenprüfung für MFA?

Mit der Externenprüfung nach § 45 Abs. 2 BBiG kannst du die MFA-Abschlussprüfung ohne vorherige Ausbildung ablegen. Voraussetzung ist in der Regel Berufserfahrung im Umfang des Eineinhalbfachen der Ausbildungszeit, also rund 4,5 Jahre. Über die Zulassung entscheidet die zuständige Ärztekammer.

Wer bezahlt eine Umschulung zur MFA?

Bei Arbeitslosigkeit oder drohender Arbeitslosigkeit kann die Agentur für Arbeit eine zugelassene MFA-Umschulung per Bildungsgutschein bezahlen, seit 2025 auch für Menschen in der Grundsicherung. Für das Nachholen eines Berufsabschlusses besteht laut Bundesagentur für Arbeit unter bestimmten Voraussetzungen sogar ein Rechtsanspruch.

Wo finde ich Stellen für Quereinsteigende in Arztpraxen?

Stellen für Quereinsteigende in Arztpraxen findest du in der Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit, auf den Karriereseiten von Praxen, MVZ und Kliniken sowie auf Jobplattformen für Gesundheitsberufe.

Quellen

  1. Berufsbildungsgesetz (BBiG), § 45 Zulassung in besonderen FällenBundesministerium der Justiz, abgerufen am 5. Oktober 2026
  2. Verordnung über die Berufsausbildung zum Medizinischen Fachangestellten, § 2 DauerBundesministerium der Justiz, abgerufen am 5. Oktober 2026
  3. SGB III, § 180 Ergänzende Anforderungen an Maßnahmen der beruflichen WeiterbildungBundesministerium der Justiz, abgerufen am 5. Oktober 2026
  4. Rangliste der Neuabschlüsse bei Ausbildungsberufen 2025 (Pressemitteilung 09/2026)Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), abgerufen am 5. Oktober 2026
  5. Bildungsgutschein: Weiterbildung finanzierenBundesagentur für Arbeit, abgerufen am 5. Oktober 2026
  6. Fachkräfteengpassanalyse 2025Statistik der Bundesagentur für Arbeit, abgerufen am 5. Oktober 2026
  7. WeiterbildungssucheBundesagentur für Arbeit, abgerufen am 5. Oktober 2026

Über die Redaktion dieses Artikels

Geschrieben von

Lena Hartmann

Redakteurin · Gesundheitsberufe, Arzt- und Zahnarztpraxen, Quereinstieg

Lena Hartmann schreibt bei Karriere in Pflege & Gesundheit über Berufe im Gesundheitswesen und über Wege in die Arbeit in Arzt- und Zahnarztpraxen.

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