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Wie steigt der Bedarf in einzelnen Berufen? Pflege, MFA, ZFA, Erzieher und Betreuung im Vergleich

Der Bedarf an Personal wächst nicht in allen Gesundheits- und Sozialberufen gleich. In Pflege, Betreuung und Schulbegleitung steigt er deutlich, in Arzt- und Zahnarztpraxen bleibt er hoch, in der Kita flacht er regional ab. Dieser Vergleich zeigt die amtlichen Zahlen je Beruf und was sie für deinen Einstieg bedeuten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ende 2023 waren laut Statistischem Bundesamt knapp 5,7 Millionen Menschen pflegebedürftig, 15 Prozent mehr als Ende 2021.
  • Die Jugendämter gewährten 2024 gut 174.000 Eingliederungshilfen nach § 35a SGB VIII, zu denen auch Schulbegleitungen gehören; 2014 waren es knapp 80.800.
  • 2025 wurden laut BIBB-Erhebung rund 17.800 MFA-Ausbildungsverträge neu abgeschlossen; für ZFA zählt die Bundeszahnärztekammer 17.396 neue Verträge.
  • In Kitas arbeiteten am 1. März 2026 laut Destatis 799.500 pädagogisch Beschäftigte, nur noch 0,5 Prozent mehr als im Vorjahr, während die Zahl der betreuten Kinder sinkt.

Der Bedarf an Personal steigt in Gesundheits- und Sozialberufen unterschiedlich schnell: In Pflege, Betreuung und Schulbegleitung wächst er deutlich, weil es mehr Pflegebedürftige und mehr bewilligte Eingliederungshilfen gibt. In Arzt- und Zahnarztpraxen bleibt er hoch, obwohl die Ausbildungszahlen 2025 gestiegen sind. In der Kita wächst das Personal kaum noch, während die Zahl der betreuten Kinder sinkt; Erzieherinnen und Erzieher werden trotzdem weiter gesucht, regional aber unterschiedlich stark.

Wie misst man den Bedarf in einem Beruf?

Den Bedarf in einem Beruf misst man am besten an zwei Seiten: an der Nachfrage nach Leistungen, etwa der Zahl der Pflegebedürftigen, und am Nachwuchs, etwa den neuen Ausbildungsverträgen.

Definition

Bedarfsindikator

Eine amtliche Kennzahl, die zeigt, wie viel Arbeit in einem Beruf anfällt oder künftig anfallen wird, zum Beispiel die Zahl der Pflegebedürftigen, der betreuten Kinder oder der bewilligten Hilfen. Allein sagt sie noch nichts über offene Stellen; dafür braucht es zusätzlich Zahlen zu Beschäftigten, Nachwuchs und Stellenbesetzung.

Für diesen Vergleich nutzen wir ausschließlich Zahlen des Statistischen Bundesamts (Destatis), des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB), der Bundesagentur für Arbeit und der Bundeszahnärztekammer. Eine übergreifende Einordnung liefert die gemeinsame Projektion von BIBB und Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) für 54 Gesundheitsberufe bis 2040:

Besonders deutlich zeigen sich Engpässe in den Pflegeberufen sowie in weiteren ausgewählten Gesundheitsberufen, darunter bei (zahn-)medizinischen Fachangestellten, Hörgeräteakustikerinnen und Hörgeräteakustikern sowie einzelnen ärztlichen Fachrichtungen.

Wie entwickelt sich der Bedarf in der Pflege?

Der Bedarf in der Pflege wächst stark, weil die Zahl der Pflegebedürftigen laut Destatis bis Ende 2023 auf knapp 5,7 Millionen gestiegen ist, 730.000 mehr als Ende 2021.

Rund 86 Prozent davon, also 4,9 Millionen Menschen, wurden zu Hause versorgt, rund 800.000 vollstationär in Pflegeheimen. Auf der Personalseite waren laut Bundesagentur für Arbeit 2025 rund 1,8 Millionen Pflegekräfte sozialversicherungspflichtig beschäftigt; im Jahresdurchschnitt waren rund 31.000 Stellen gemeldet. Beim Nachwuchs gibt es Bewegung: 2025 begannen laut Destatis 63.900 Menschen eine Ausbildung zur Pflegefachfrau oder zum Pflegefachmann, 8 Prozent mehr als im Vorjahr und zum dritten Mal in Folge ein Plus.

Wie groß die Lücke langfristig werden könnte, zeigt die Prognose zum Fachkräftemangel mit den Varianten des Statistischen Bundesamts.

Wie entwickelt sich der Bedarf bei MFA und ZFA?

Bei MFA und ZFA bleibt der Bedarf hoch, auch wenn 2025 deutlich mehr Ausbildungsverträge abgeschlossen wurden als im Vorjahr.

Medizinische Fachangestellte

Laut BIBB-Erhebung zum 30. September 2025 führt die MFA-Ausbildung bei Frauen die Rangliste mit 16.680 neuen Verträgen an (2024: 15.432). Bei Männern kamen 1.146 neue Verträge hinzu (2024: 837), der stärkste Zuwachs bei Männern unter allen Berufen. In der Fachkräfteengpassanalyse 2025 liegen MFA nach Bericht der Zahnärztlichen Mitteilungen mit 2,0 Punkten genau auf der Schwelle zum Engpassberuf.

Zahnmedizinische Fachangestellte

Die Bundeszahnärztekammer zählt für den Zeitraum bis 30. September 2025 bundesweit 17.396 neue ZFA-Ausbildungsverträge, 7,53 Prozent mehr als im Vorjahr. In der BIBB-Rangliste der Frauen liegt die ZFA mit 16.206 Verträgen auf Platz zwei. Trotzdem gilt der Beruf mit einem Engpasswert von 2,7 Punkten weiter als Engpassberuf, und BIBB und IAB erwarten bis 2040 Engpässe. Mehr Nachwuchs gleicht also Abgänge und Fluktuation nur teilweise aus.

Wie entwickelt sich der Bedarf an Erzieherinnen und Erziehern?

Der Bedarf an Erzieherinnen und Erziehern bleibt hoch, wächst aber langsamer als in den vergangenen Jahren, weil weniger Kinder betreut werden.

Laut Destatis arbeiteten am 1. März 2026 in Kitas 799.500 Menschen als pädagogisches, Leitungs- oder Verwaltungspersonal, nur 0,5 Prozent mehr als im Vorjahr; im Jahrzehnt davor lag das Wachstum im Schnitt bei rund 3,7 Prozent pro Jahr. Gleichzeitig sank die Zahl der Kinder unter drei Jahren in Betreuung zum dritten Mal in Folge auf 756.700, die Zahl aller betreuten Kinder auf rund 3,98 Millionen. Die Bundesagentur für Arbeit nennt Erzieherinnen und Erzieher in ihrer Engpassanalyse 2025 dennoch als gesuchte Berufe. Für dich heißt das: Die Lage hängt stärker als früher von Region und Träger ab.

Wie entwickelt sich der Bedarf in Betreuung und Schulbegleitung?

In Betreuung und Schulbegleitung steigt der Bedarf deutlich, getrieben von mehr Pflegebedürftigen und mehr bewilligten Eingliederungshilfen.

Betreuungskraft nach § 43b SGB XI

Betreuungskräfte begleiten Pflegebedürftige im Alltag, vor allem in stationären und teilstationären Einrichtungen. Ihr Bedarf folgt der Zahl der Pflegebedürftigen, die laut Destatis weiter wächst. Eine eigene amtliche Bedarfszahl für Betreuungskräfte gibt es nicht.

Schulbegleitung

Laut Destatis gewährten die Jugendämter 2024 gut 174.000 Eingliederungshilfen für junge Menschen mit (drohender) seelischer Behinderung nach § 35a SGB VIII, 115 Prozent mehr als 2014 mit knapp 80.800. Dazu zählen Schulbegleitungen, aber auch andere Hilfen; die Ausgaben stiegen im selben Zeitraum von gut 1,1 auf 3,5 Milliarden Euro. Hinzu kommen Schulbegleitungen über die Eingliederungshilfe nach SGB IX, die in dieser Zahl nicht enthalten sind.

Wie steigt der Bedarf im direkten Vergleich?

Im direkten Vergleich wächst der Bedarf am stärksten in Pflege, Betreuung und Schulbegleitung, während er in der Kita langsamer zunimmt.

Vergleich: Bedarf in Pflege, MFA, ZFA, Erziehung und Betreuung nach Kennzahlen
BerufKennzahl BedarfKennzahl Personal oder NachwuchsTrendQuelle
Pflegefachkraft5,7 Mio. Pflegebedürftige Ende 2023 (+15 %)63.900 neue Auszubildende 2025 (+8 %)stark steigendDestatis
MFAEngpasswert 2,0rund 17.800 neue Verträge 2025hoch, Nachwuchs steigtBIBB, zm
ZFAEngpasswert 2,717.396 neue Verträge 2025 (+7,53 %)hoch, Nachwuchs steigtBZÄK, zm
Erzieherin, Erzieherbetreute Kinder sinken auf 3,98 Mio.799.500 Beschäftigte (+0,5 %)weiter gesucht, regional unterschiedlichDestatis, BA
Betreuungskraft800.000 Menschen in Pflegeheimenkeine amtliche Zahlsteigend mit PflegebedarfDestatis
Schulbegleitung174.000 § 35a-Hilfen 2024 (+115 % seit 2014)keine amtliche Zahlstark steigendDestatis
Vergleich: Welcher Beruf passt zu welcher Lebenslage?
LebenslagePflegeMFA oder ZFAErziehungBetreuung oder Schulbegleitung
Unter 25, ohne Berufsabschlusspasst gut, vergütete Ausbildungpasst gut, duale Ausbildungmöglich, je nach Landmöglich als Einstieg
30 bis 45, mit Familiemöglich, Schichtdienst einplanenpasst oft gut, planbare Zeitenmöglich berufsbegleitendpasst gut, oft Teilzeit
Ab 50, mit Berufserfahrungmöglich, Belastung prüfenmöglich über Umschulungeher schwierig, langer Wegpasst gut, Erfahrung zählt
ArbeitslosUmschulung per Bildungsgutschein prüfenUmschulung per Bildungsgutschein prüfenFörderung je nach Modellpasst gut, kurze geförderte Kurse

Wie nutzt du die Zahlen für deine Entscheidung?

Nutze die Zahlen als Richtung, und prüfe danach die Lage in deiner Region und bei konkreten Arbeitgebern.

  1. Trend ansehen. Frag dich, ob der Bedarf in deinem Wunschberuf steigt, stagniert oder sinkt.
  2. Region prüfen. Schau in der Jobbörse der Bundesagentur, wie viele Stellen es in deiner Umgebung gibt.
  3. Einstieg wählen. Entscheide, ob du direkt einen Abschluss anstrebst oder zuerst über eine kurze Qualifizierung einsteigst.
  4. Förderung klären. Seit 2025 stellt die Agentur für Arbeit den Bildungsgutschein auch für Jobcenter-Kundinnen und Kunden aus.
  5. Arbeitgeber vergleichen. Frag nach Tarif, Einarbeitung und Arbeitszeitmodellen.

Wo du passende Angebote findest

Ausbildungs- und Umschulungsplätze findest du bei Pflegeschulen, Kammern und Fachschulen, geförderte Kurse in der Weiterbildungssuche der Bundesagentur für Arbeit. Für die wachsenden Bereiche Betreuung und Schulbegleitung gibt es kurze Qualifizierungen, zum Beispiel bei Care-er, einem AZAV-zugelassenen Bildungsträger mit Live-Online-Kursen zur Betreuungskraft, zur Schulbegleitung und zur ZFA-Umschulung: die Qualifizierung zur Schulbegleitung mit 12 Wochen in Vollzeit oder die Qualifizierung zur Betreuungskraft mit 14 Wochen.

Offene Stellen findest du in der Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit, bei Trägern und Praxen oder auf spezialisierten Plattformen, etwa bei Specialist Match, einer Jobplattform für Pflege, Betreuung, Schulbegleitung, Zahnarztpraxis und Sanitätshaus, mit Stellen in der Schulbegleitung und in der Zahnarztpraxis.

Fazit

Der Bedarf steigt in allen verglichenen Berufen, aber nicht gleich schnell. Pflege, Betreuung und Schulbegleitung wachsen am stärksten, MFA und ZFA bleiben trotz mehr Nachwuchs knapp, und in der Kita kommt es stärker auf die Region an. Wer einsteigen will, kombiniert die bundesweiten Zahlen am besten mit einem Blick auf die Stellen vor Ort und auf den Weg zu einem anerkannten Abschluss.

Häufige Fragen

In welchem Gesundheits- oder Sozialberuf steigt der Bedarf am stärksten?

Am deutlichsten wächst der Bedarf in der Pflege und Betreuung, weil die Zahl der Pflegebedürftigen laut Statistischem Bundesamt bis Ende 2023 auf knapp 5,7 Millionen gestiegen ist. Auch die Eingliederungshilfen nach § 35a SGB VIII, zu denen Schulbegleitungen gehören, haben sich laut Destatis von 2014 bis 2024 mehr als verdoppelt.

Werden Erzieherinnen und Erzieher weiter gesucht?

Ja, die Bundesagentur für Arbeit nennt Erzieherinnen und Erzieher in ihrer Fachkräfteengpassanalyse 2025 als gesuchte Berufe. Gleichzeitig sinkt laut Statistischem Bundesamt die Zahl der betreuten Kinder, deshalb unterscheidet sich der Bedarf regional zunehmend.

Gibt es genug Nachwuchs für MFA und ZFA?

Die Ausbildungszahlen sind 2025 gestiegen: Die Bundeszahnärztekammer zählt 17.396 neue ZFA-Verträge, 7,53 Prozent mehr als im Vorjahr, und die MFA-Ausbildung liegt bei Frauen auf Platz eins der BIBB-Rangliste. Trotzdem sehen BIBB und IAB bis 2040 Engpässe bei (zahn-)medizinischen Fachangestellten.

Steigt der Bedarf an Betreuungskräften?

Der Bedarf hängt direkt an der Zahl der Pflegebedürftigen, die laut Destatis weiter wächst. Ende 2023 wurden rund 800.000 Menschen vollstationär in Pflegeheimen versorgt, wo Betreuungskräfte nach § 43b SGB XI vor allem eingesetzt werden.

Wo finde ich Stellen in diesen Berufen?

Stellen findest du in der Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit, direkt bei Einrichtungen, Praxen und Trägern oder auf spezialisierten Plattformen, zum Beispiel bei Specialist Match, einer Jobplattform für Pflege, Betreuung, Schulbegleitung, Zahnarztpraxis und Sanitätshaus.

Quellen

  1. 5,7 Millionen Pflegebedürftige zum Jahresende 2023Statistisches Bundesamt, abgerufen am 5. Oktober 2026
  2. Pflegeausbildung 2025: Zahl neuer Auszubildender zum dritten Mal in Folge gestiegenStatistisches Bundesamt, abgerufen am 5. Oktober 2026
  3. Rangliste der Neuabschlüsse bei Ausbildungsberufen (Pressemitteilung 09/2026 vom 3. März 2026)Bundesinstitut für Berufsbildung, abgerufen am 5. Oktober 2026
  4. Es kommen wieder mehr junge Fachkräfte in die ZahnarztpraxenZahnärztliche Mitteilungen (zm), abgerufen am 5. Oktober 2026
  5. Kindertagesbetreuung 2026: Zahl der unter Dreijährigen sinkt zum dritten Mal in FolgeStatistisches Bundesamt, abgerufen am 5. Oktober 2026
  6. Schulbegleitung und Co.: Zahl der Eingliederungshilfen für junge Menschen mit seelischer Behinderung binnen zehn Jahren mehr als verdoppeltStatistisches Bundesamt, abgerufen am 5. Oktober 2026
  7. Engpassrisiken in Gesundheitsberufen (Basisprojektion bis 2040)Bundesinstitut für Berufsbildung, abgerufen am 5. Oktober 2026

Über die Redaktion dieses Artikels

Geschrieben von

Lena Hartmann

Redakteurin · Gesundheitsberufe, Arzt- und Zahnarztpraxen, Quereinstieg

Lena Hartmann schreibt bei Karriere in Pflege & Gesundheit über Berufe im Gesundheitswesen und über Wege in die Arbeit in Arzt- und Zahnarztpraxen.

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